Der Grand Prix Eurovision de la Chanson heisst hier in Schweden Melodiefestival. Klingt einfach, ist aber der grösste Reisser den man sich vorstellen kan. Bereits im Februar beginnen die nationalen Vorausscheidungen zur Auswahl des Kuenstlers/Gruppe, die schliesslich das Land international vertreten darf. Das ganze System der Vorausscheidungen ist so kompliziert, dass der Konstruktör prompt im Jahr darauf den Nobelpreis fuer komplexe Systemmathematik bekam. Oder zumindest auf der Auswahlliste stand. Oder hätte stehen muessen. Vereinfacht erklärt finden Vorausscheidungen in regelmässingen Abständen in allen grösseren Städten des Landes statt, beste Sendezeit in Kanal 1, schwedisches Staatsfernsehen, Samstagabend. Und in einem recht bevölkerungsarmen Land wie Schweden zählt man schon als grössere Stadt wenn man einen Kiosk als merkantiles Zentrum aufweisen kan. Also viele Vorausscheidungen an vielen Samstagen und irgendwann die Endausscheidung in Stockholm. Wer es bis dorthin geschafft hat, ist hier bereits ein Superstar. Die Einschaltquoten bewegen sich stets um rund 110 Prozent. Die zehn Prozent zuviel kommen sicherlich von den norwegischen Schwarzguckern an der Grenze. Man sollte nach Möglichkeit nicht versuchen, während der Sendung mit Schweden Kontakt aufzunehmen. Vielleicht mit Ausnahme der Geburtshilfe, bei Notwendigkeit. Aber auch da kan man vielleicht diskret etwas die Wehen verlängern. Wer marodiern, pluendern oder brandschatzen als Hobby hat sollte seine Aktivitäten in diese Zeit hinein verlagern fuer ungestörten Genuss.
Aber in Punkto nationale Begeisterung fuer Musik können wir Deutschen uns wirklich ein Beispiel an unseren Nachbarn nehmen. Also: mehr Anstrengungen nächstes Mal, Deutschland!
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