Viel wird diskutiert und geschrieben in Deutschland ueber multikulturelle Lebensweisen und Gesellschaften. Hier bei uns in Suedschweden ist echt alles multikulti. Unser Freundeskreis hier besteht zum Beispiel aus wahnsinnig vielen Deutschen (haha, Deutsche im Ausland, sagt der Zuhörer), einigen Griechen und natuerlich Schweden. Die Schweden sind im uebrigen gar nicht so verschlossen und unnahbar wie sie gerne selbst von sich behaupten, sondern in unserem Fall nette, aufgeschlossene, neugierige und warmherzige Menschen, die sich wirklich kuemmern wie es einem geht und ob man helfen kann. Die Griechen sehen es da etwas anders, sie haben etwas mehr Probleme mit der schwedischen Mentalität, aber die kommen auch aus einem Land mit 38 Grad Durchschnittstemperatur und wo jeder jeden irgendwie kennt.
Bei mir in der Arbeit ist es noch spannender, Psychiatrie, sie wissen schon. Auf meiner Akutstation habe ich folgende Kollegen: Oberarzt ist ein Kurde aus dem Irak. Zwei Assistenzärzte, einer aus Griechenland, eine aus Ungarn. Eine neue Ärztin als Praktikantin aus Rumänien. Vier Ärzte im Praktikum ( so ähnlich jedenfalls nach schwedischem System), die Schweden sind. Die armen Jungärzte, aber sie scheinen ganz gut mit uns zurecht zu kommen. Und schliesslich ich, aus Deutschland. Und alle sprechen mehr oder minder gutes Schwedisch.
Zwei Dinge finde ich hier anmerkenswert: Multikulti funktioniert bei uns. Wir zerreden das hier nicht wie bei den abendlichen Talkrunden im Fernsehen ueblich ist, wir akzeptieren es eben und versuchen, etwas gutes daraus zu machen.
Und das andere: Hier sind 8 ( mit mir sogar 9) Ärzte auf einer psychiatrischen Akutstation. In Deutschland gibt es ganze Krankenhäuser, die mit diesem Stellenschluessel geleitet werden. Ob das zu viel ist ? Ich weiss nicht. Aber zumindest habe ich Zeit, meiner Ausbildungsverantwortung den juengeren Kollegen gegenueber gerecht zu werden. Wie viele können das in Deutschland von sich behaupten ? Hände bitte hoch…keiner ? Danke.
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