In Schweden ist Meinungsfreiheit ein hohes Gut und wird ernsthaft gelebt und verteidigt.
Bei uns doch auch, Grundgesetz und so, wirft der patriotische Leser aus Tyskland ein.
Quatsch, antworte ich da. Meinungsfreiheit in Deutschland ist längst zur Freiheit dessen geworden, der sich einen Abmahnanwalt leisten kann. Des Reicheren in einem Meinungskonflikt also. Was mit Freiheit der Meinung ja nicht mehr wirklich viel zu tun hat.
Schreibt einer zum Beispiel in seinem Blog, dass ihm die Sachen eines gewissen Sportbekleidungsherstellers nicht gefallen, gibts Anwalt, Abmahnung, Kosten. Und unklare juristische Auseinandersetzungen ueber Jahre, wenn man nicht klein beigibt und seine freie Meinung zuruecknimmt. Und die Anwaltsgebuehren brav bezahlt. Glaubt ihr nicht ? Na dann googelt mal etwas zu den Begriffen “Abmahnung” oder “Sportartikelhersteller Abmahnung” und ihr werdet aus dem Staunen ueber die Meinungsfreiheit nicht mehr herauskommen.
Wie gesagt, sowas gibts hier noch nicht. Meinung ist hier frei, allerdings ist Volksverhetzung auch in Schweden verboten. Das Recht auf freie Meinungsäusserung an sich jedoch wird beschuetzt und gepflegt.
Nun gibt es einen Menschen in Schweden namens Lars Vilks, den viele nicht mögen. Der Herr ist Kuenstler und machte von sich reden, indem er vor drei Jahren Muslime mit Mohammed-Karikaturen verärgerte, welche den Propheten lächerlich machen. Kommt nicht gut, wie wir alle wissen. Lars Viks macht es jedoch trotzdem und extra, um zu provozieren. Nach eigenen Angaben habe er vor den vielen Morddrohungen, die natuerlich unweigerlich kamen, keine besondere Angst. Al Quaida setzte 100.000 Dollar auf die Ermordung des Kuenstlers aus. Vor zwei Wochen wurde er während eines Vortrages körperlich attackiert, vor einer Woche gab es einen Brandanschlag auf sein Haus (beides hier zu sehen inklusive Video).
Die Diskussion, die hier gerade öffentlich stattfindet, ist äusserst interessant. Es geht nicht darum, ob der Kuenstler mit seinen Aktionen und Bildern einfach ein Depp ist. Darueber ist man sich weitestgehend einig.
Vielmehr geht es darum, dass sehr viele Journalisten und Personen der Öffentlichkeit nun Partei fuer die Freiheit der Meinung ergreifen. Nach dem Motto, auch ein Depp soll seine Meinung äussern duerfen ohne dafuer umgebracht oder geschlagen zu werden. Die seriöse “Dagens Nyheter” kritisiert das Schweigen wichtiger Politiker im Falle Vilks und fordert klare Stellungnahme von Presse und Politik, dass die Freiheit, sich auszudruecken nicht durch Gewalttäter beschränkt werden darf.
Auch wenn man als Privatperson wie gesagt der Meinung sein darf, der derart Beschuetzte sei eigentlich ziemlich doof.
Fuer mich, der aus einem Land kommt, in welchem der Abmahnanwalt als äusserste Instanz gilt, ein erstaundliches Beispiel, wie hier Demokratie gelebt wird.
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