Arp und wie er die Welt sah – reloaded

”Ich wurde geboren mit einem sonnigen Gemüt und der Gewißheit, daß die Welt verrückt ist.”
Dies ist ein Satz aus einem recht guten Buch, nämlich ”Garp und wie er die Welt sah” von John Irving. Das Wortspiel Garp-Arp liegt natuerlich nahe und daher bekam ich diesen Satz von meinen Freunden immer wieder zu verschiedenen Anlässen in Jahrbuch geschrieben. Im uebertragenen Sinn selbstverständlich. Vielleicht ist dass einer der Gruende, warum ich letztlich Psychiater und Psychotherapeut geworden bin. Weil ich prinzipiell glaube dass die ganze Welt verrueckt ist. Das tue ich nämlich wirklich und ernsthaft. Ich glaube natuerlich nicht, dass ich die Verruecktheit der Welt mit meinen doch begrenzten Mitteln heilen kan. Aber mein Beruf erleichtert mir das Verständnis fuer den ganzen Wahnsinn ungemein.
Jetzt kommt natuerlich die unerwuenschte aber fällige Zwischenfrage: ”Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Psychiater und Psychotherapeut und warum bist du beides ?”
Danke, liebes Publikum fuer die Unterbrechung meiner Gedankengänge. Also gut, kurze Erklärung: Ein Psychiater ist ein Arzt der nach einigermassen langer Ausbildung sich zum Facharzt fuer allerlei Arten von Geisteskrankheit spezialisiert hat. Die Behandlung ist ueberwiegend medizinisch, sprich mit Medikamenten. Ein Psychotherapeut ist einer, der mit den Leuten redet. Da ich beides bin kan ich also wählen ob ich einen Patienten mit Medizin oder Gespräch behandle. Was häufig von meiner Stimmung abhängt. Oder natuerlich der Stimmung meiner Patienten. Und warum ich beides bin ist einfach zu beantworten, Deutschland ist eines der wenigen Länder dieser Erde, welches verlangt, dass alle Psychiater auch eine Ausbildung in Psychotherapie machen. Was die Ausbildungszeit um etliche Jahre verlängert und die Ausbildungskosten an die Grenze zur Unbezahlbarkeit treibt. Hat aber volkswirtschaftlich einen tiefen Sinn, denn die Ärzte die ueber etliche Jahre hinweg gezwungen werden, sich zum Psychotherapeuten auszubilden, sind in dieser Zeit vom Arbeitgeber, der auch als Ausbilder fungiert, abhängig und sie werden nur als Assistenzärzte bezahlt. Wo kämen wir denn hin wenn hier jeder eine Facharztbezahlung wollte.
Diese Erklärung wurde nun länger als beabsichtigt.
Vielleicht darf ich zurueckkehren zum Grundgedanken dieses Textes, liebe Zwischenfrager, Danke.
Nämlich dass, meiner Meinung nach, die ganze Welt einen an der Klatsche hat.
Sic.

  1. #1 by Olaf Sander - Dezember 15th, 2009 at 20:00

    Ja, lieber Arp, die Welt ist verrückt. Allerdings glaube ich nicht, dass man Psychater sein muss um das zu merken. Gleichwohl dürfte dieser Beruf helfen, den Wahnsinn, oder besser die Menschen, die den Wahnsinn mit Leben füllen, zu verstehen.

    Ich habe viel Erfahrung mit Kunden und dem was einige der Firmen, für die ich irgendwann einmal arbeitete, Service nennen. Ich kenne Beschwerdeabteilungen von innen und Kunden, wenn sie sauer sind. So richtig saure, solche die viel Geld für wenig bis nichts ausgegeben haben, nur weil sie mit ihrem tollen neuen Technikteil Trendsetter werden wollten. Und dann geht´s nicht…

    Verstehen Sie mich nicht falsch, lieber Arp, ich maße mir keineswegs an, die Menschen so zu verstehen, wie Sie das Ihres Berufes wegen tun können. Aber kennen gelernt habe ich sie schon, die Menschen. Nur war das nicht immer ein Vergnügen.

    Insofern macht es Spaß, Ihren Blog zu lesen, weil Ihre Sicht auf die Menschen (z. B. PM in Schweden) meine Erfahrungen spiegelt. Das gibt mir das Gefühl, nicht gänzlich alleine auf diesem Planeten und nicht der eizige zu sein, der bei der Menschheit einen eindeutigen Befund vermutet.

    Ich besuche Sie wieder. Versprochen.

    Olaf Sander
    auch ein in Skandinavien (DK) lebender Exildeutscher :o )

(will not be published)
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