Ich glaube, ich habe mein Vorhaben, als korrupter Politiker zu den Wahlen anzutreten, falsch angefangen. Ein aufmerksamer Leser wies mich darauf hin, dass es wahltaktisch falsch sei, von Anfang an zuzugeben, dass man gerne korrupt werden möchte. Die Wähler wählen einen nicht wegen Korruptionswunsch. Was schade ist, in meinem Fall. Ich sollte, so mein werter Leser, eher mit Wahlversprechen anfangen.
Ok, dann also:
Wählt mich und dann gibt es Steuersenkungen und die Renten weden verdoppelt, ach was, verdreifacht ! Und die Arbeitlsosigkeit abgeschafft. Und Freibier auf Malle mindestens zweimal im Jahr. So, das ist jetzt mein Wahlprogramm.
Wenn ich es so recht bedenke habe ich immer schon Probleme bekommen, wenn ich meine Zukunftspläne zu ehrlich mitteilte. Menschen wollen halt was Nettes hören, auch wenns nicht stimmt.
Ich erinnere mich beispielsweise an ein bewegendes Kapitel in meinem Leben, nämlich der Eignungstest bei der Bundeswehr nach der Musterung. Damals war noch kalter Krieg und die UdSSR war fuer uns die Hölle, die DDR deren Vorhof und alle hatten Angst vor dem Atomkrieg. Die Punks waren damals neu und echt und meinten “No Future” weil ja eh alles kaputt gehen wird. Im Atomkrieg. In dieser Atmosphäre nahm ich also wie alle wehrdiensttauglichen jungen Mitmenschen am sogenannten Eignungstest teil. Dabei sollte ermittelt werden, wer wo am besten das Land gegen die herabregnenden Atomraketen verteidigen konnte. Lustig fand ich im uebrigen beim Eignungstest einen Typen, der wirklich Muehe hatte, die Instruktionen des anwesenden Personals zu verstehen obwohl diese in einfachen Hauptsätzen sprachen. Und sogar ernsthaft Probleme hatte, seinen Namen zu schreiben. Dieser Typ war nämlich der Eizige, der am Ende des Tages eine Dienstverpflichtung als Zeitsoldat ueber vier Jahre in der Tasche hatte. Ich glaube ungefähr da beschloss ich, meine Zukunft nicht in der Armee zu suchen.
Das endgueltige Aus meiner jungen militärischen Karriere aber kam, als ich die vielen Fangfragen so ehrlich wie möglich beantwortete. Auf die Frage, was ich denn am liebsten bei der Armee machen wolle schrieb ich, dass ich gerne mit einem Gewehr auf echte Menschen schiessen möchte. Ich dachte, das käme gut an und wuerde mir den Platz in einer anständig motivierten Truppe sichern. Statt dessen wurde ich zu einem persönlichen Gespräch geladen. In diesem Gespräch wurde mir nahegelegt, dass der Zivildienst eine viel bessere Alternative fuer einen jungen Burschen mit meinen Talenten wäre. Auch gut, dachte ich mir und machte schliesslich Zivildienst, was mich aber weiterhin irritiert ist, dass die mich ernsthaft nicht haben wollten. Ich meine, was soll das ? Der Hauptjob eines Soldaten ist doch, unter anderem, auf Menschen zu schiessen. Und da haben die einen, der das auch in ihrem dämlichen Formular angibt, und schon, schwuppdiwupp, fliegt er raus. Ich empfinde das noch heute als leicht kränkend und will seitdem nichts mehr mit Wehrdienst und so zu tun haben.
Analog dazu war es wohl ebensowenig gut fuer meine Karriere, ehrlich mein Ziel der politischen Korrumpierbarkeit so offenzulegen, wie ich es tat. Eigentlich sollte ich den Beitrag, in welchem ich meine Pläne darlege, löschen. Aber das wäre ja Zensur und die ist noch nicht vollständig legal.
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